Eva Presniak „Herkules aus Allach-Untermenzing“

Der bayerische Herkules
-nach einem Bericht aus dem Münchner Merkur-

Einen Herkules gab es nicht nur in der griechischen Mythologie, sondern auch in Bayern. 
Mit nur 30 Jahren, wurde er zum stärkstem Bayer gekürt. Und wie es dazu kam, erzähle ich euch jetzt: Hans Steyrer, der Sohn eines Metzgers wuchs im schönen Allach auf. Schon als Kind, erkannte man wortwörtlich seine Stärke. Denn er konnte ohne Hilfe jedes Kalb und jedes Ochsenviertel auf den Haken der väterlichen Metzgerei hängen. Und als sein Vater dieses Talent entdeckte, gab er ihm nur noch Kalbfleisch und gekochtes Kaninchenfleisch, sodass die Muskeln noch schneller wuchsen. Steyrer ging zum Zirkus.
1879 suchte der Zirkus Herzog dann den stärksten Bayer. Dafür ließ er überall in Bayern Plakate aufhängen, damit auch jeder davon erfuhr.Hans gewann alle Wettbewerbe! Er hob Steinbrocken, Fässer und Kanonenrohre, stemmte Ochsen und zerriss Hufeisen. Somit zeigte er, dass er tatsächlich der kräftigste Mann im Freistaat war.Zum Schluss setzte er noch einen drauf:
Mit der Kraft seines rechten Mittelfingers konnte er als einziger einen 508 Pfund schweren Stein einige Sekunden lang anheben. Seitdem nannte man Steyrer den „bayerischen Herkules“!
Später ging Hans auf Europa-Tour. In Paris stemmte er fünf lebende Jungfrauen und im Deutsch-Französischen Krieg jonglierte er mit Kanonenkugeln.
Der geschäftstüchtige Hans nutzte später seine Beliebtheit und eröffnete eine Wirtschaft in der Lindwurmstraße in München. Er nannte sie „Zum bayerischen Herkules“und es war ein beliebter Ort für starke Männer.
1879 wollte Steyrer erstmals mit festlich geschmücktem Wagen von seiner Wirtschaft durch ganz München zur Theresienwiese ziehen.
Er selbst fuhr auf einem mit Bierfässern beladenen Wagen, gefolgt von sieben anderen, voll mit Personal und Musikern.  Allerdings ist er damals nicht auf der Wies’n angekommen, denn er wurde im Stadtzentrum von der Polizei angehalten und musste somit wieder umkehren. Er wurde verurteil, doch das hinderte ihn nicht daran den Einzug in den folgenden Jahren erfolgreich zu wiederholen. Er war der Erste, der einen Einzug als Wiesenwirt durchgeführt hat. Die Menschen hielten ihn für ein Wunder und wahrscheinlich war er das auch.