„Nagy Manufaktur“ von Lara Herzog

 

Kunstprojekt –Geschichte über die Porzellanmanufaktur Allach – Franz Nagy.

Vielen, die heute in Allach-Untermenzing wohnen, sagt dieser Name nichts. Schließlich ist seine Geschichte und die seiner Firma schon sehr alt, doch trotzdem ist es interessant zu erfahren, was sich damals ca. 500m von der heutigen Karl-Gayer-Unterführung entfernt zutrug.
1935. Franz Nagy, ein Ungar mit deutscher Staatsbürgerschaft, zieht mit seiner Frau, seinem Sohn und seiner Tochter nach Allach bei München. Er hatte bereits 1927 ein Grundstück neben dem Gelände von Kraus Maffei gekauft, welches in der Lindenstraße 8 (heute Reinhard-von-Frank-Straße 8), zu finden ist.
Dort gründet er, noch im selben Jahr seiner Ankunft in Allach, eine keramische Werkstätte. So beginnt er 1936 mit seinen Geschäftspartnern dem Porzellanmaler Carl Diebitsch, dem damals schon bekannten Porzellankünstler Theo Kärner und dem Kaufmann Bruno Galke Kunstporzellan zu produzieren. Diebitsch, welcher ein Bekannter Himmlers ist, fördert bereits von Anfang an eine enge Beziehung zur Allgemeinen SS. Somit wurde die Familie Nagy 1939 enteignet und das Unternehmen von der SS übernommen. Die Manufaktur wurde dem zur Allgemeinen SS gehörenden „Hauptamt Verwaltung und Wirtschaft“ in Berlin unterstellt und für sie die besten erreichbaren Künstler verpflichtet.Ab diesem Zeitpunkt war das Porzellan durch SS-Runen gekennzeichnet. Abgesehen von Geschirr und Gebrauchsgegenständen mit entsprechenden Symbolen waren die am meisten produzierten Figuren entweder heimische Tiere, wie Rehkitz, Hirsch und Hase oder Figuren wie Soldaten oder Bauern. Die Figuren sollten die nationalsozialistische Erziehung unterstützen und wurden, als die Manufaktur alleine nicht mehr zur Produktion ausreichte, von Inhaftierten des KZ Dachau hergestellt. Die Manufaktur gehörte zu den Lieblingsprojekten Heinrich Himmlers, Reichsführer der SS. Nagy versuchte nach dem Krieg vergeblich, seinen ehemaligen Besitz zurück zu erhalten. In den alten Produktionsräumen produzierte zunächst ein Heinrich Müller Keramik und ab 1948 die Bonbonfabrik „Kalfany“ ihre beliebten Süßigkeiten, die noch vielen Bürgern unseres Stadtteils gut bekannt sind.

Eva Presniak „Herkules aus Allach-Untermenzing“

Der bayerische Herkules
-nach einem Bericht aus dem Münchner Merkur-

Einen Herkules gab es nicht nur in der griechischen Mythologie, sondern auch in Bayern. 
Mit nur 30 Jahren, wurde er zum stärkstem Bayer gekürt. Und wie es dazu kam, erzähle ich euch jetzt: Hans Steyrer, der Sohn eines Metzgers wuchs im schönen Allach auf. Schon als Kind, erkannte man wortwörtlich seine Stärke. Denn er konnte ohne Hilfe jedes Kalb und jedes Ochsenviertel auf den Haken der väterlichen Metzgerei hängen. Und als sein Vater dieses Talent entdeckte, gab er ihm nur noch Kalbfleisch und gekochtes Kaninchenfleisch, sodass die Muskeln noch schneller wuchsen. Steyrer ging zum Zirkus.
1879 suchte der Zirkus Herzog dann den stärksten Bayer. Dafür ließ er überall in Bayern Plakate aufhängen, damit auch jeder davon erfuhr.Hans gewann alle Wettbewerbe! Er hob Steinbrocken, Fässer und Kanonenrohre, stemmte Ochsen und zerriss Hufeisen. Somit zeigte er, dass er tatsächlich der kräftigste Mann im Freistaat war.Zum Schluss setzte er noch einen drauf:
Mit der Kraft seines rechten Mittelfingers konnte er als einziger einen 508 Pfund schweren Stein einige Sekunden lang anheben. Seitdem nannte man Steyrer den „bayerischen Herkules“!
Später ging Hans auf Europa-Tour. In Paris stemmte er fünf lebende Jungfrauen und im Deutsch-Französischen Krieg jonglierte er mit Kanonenkugeln.
Der geschäftstüchtige Hans nutzte später seine Beliebtheit und eröffnete eine Wirtschaft in der Lindwurmstraße in München. Er nannte sie „Zum bayerischen Herkules“und es war ein beliebter Ort für starke Männer.
1879 wollte Steyrer erstmals mit festlich geschmücktem Wagen von seiner Wirtschaft durch ganz München zur Theresienwiese ziehen.
Er selbst fuhr auf einem mit Bierfässern beladenen Wagen, gefolgt von sieben anderen, voll mit Personal und Musikern.  Allerdings ist er damals nicht auf der Wies’n angekommen, denn er wurde im Stadtzentrum von der Polizei angehalten und musste somit wieder umkehren. Er wurde verurteil, doch das hinderte ihn nicht daran den Einzug in den folgenden Jahren erfolgreich zu wiederholen. Er war der Erste, der einen Einzug als Wiesenwirt durchgeführt hat. Die Menschen hielten ihn für ein Wunder und wahrscheinlich war er das auch.

Tulpen-Jazz von Nuria Glück

Als ich heute Morgen den Pflanzen Kölle in Untermenzing betrat, hatte ich noch immer den Satz meiner mittleren Tochter Debby im Ohr. Sie hatte auf dem Balkon gestanden und wollte gerade ihr über alles geliebtes Horn runter schmeißen. „Papa“, sagte sie „ich hab‘ kein Bock mehr! Ich werde sowieso niemals so gut spielen wie Leah, und außerdem ist das total unfair, weil Klavier spielen viel einfacher ist als Horn!“
Gott sei Dank kam in dem Moment ihre beste Freundin und Debby vertagte ihre
Horn-runterschmeiß-Aktion auf morgen.
Doch zurück zum Hier und Jetzt. Da ich als Hobbygärtner quasi jeden Samstag bei Pflanzen Kölle verbringe, wusste ich genau, wo die Gartengeräte sind und machte mich sofort auf den Weg. Doch schon im Eingangsbereich fiel mir auf: irgendetwas war anders als sonst. Für einen Samstagmorgen waren ungewöhnlich wenig Leute im Laden, und ich hörte gedämpfte Musik von weiter hinten. Ich folgte den Klängen und schon bald stellte ich fest, wo alle Kunden waren. Sie standen im Halbkreis um ein Gruppe Kinder, die mit ihren Instrumenten irgendeinen Marsch spielten. Ich musste sofort an das Musizieren meiner eigenen Kinder denken und wollte mich schon, in Gedanken an deren dauernde Streiterei, genervt abwenden, da wechselte die Gruppe zu einem meiner Lieblingslieder: „Tears in Heaven“.
Also ließ ich doch Gießkanne Gießkanne sein und stellte mich zu der kleinen Menschenmenge. Von einer Frau mittleren Alters – wahrscheinlich eine der Mütter – erfuhr ich, dass ich hier die Bläserklasse des städtischen Louise-Schroeder-Gymnasiums hörte.
„Eine sechste Klasse“, sagte sie und ich musste sofort an Debby denken, die ebenfalls die sechste Klasse besuchte und mit ihrem Horn sicher gut in das Orchester gepasst hätte. Die Kinder hatten gerade ihr Stück beendet und der Lehrer ergriff das Wort. Während er so erzählte vom Alltag eines Schulorchesters, fing ich langsam an, mich zu wundern.
Wie schaffte es ein einziger Lehrer seine ganze Klasse von der Musik zu begeistern?
Wie schafften es die schätzungsweise 30 Schüler so gut miteinander zu harmonieren?
Und vor allem: wieso schafften es meine Kinder nicht?
Ich merkte, dass ich tatsächlich lange Zeit vergessen hatte, was Musik wirklich mit uns machen kann. Welche Einheit, welcher Zusammenhalt mit Musik geschaffen werden kann.
Genau wie diese Klasse hier zeigte, war doch jedes einzelne Instrument des Orchesters wichtig für ein Zusammenspiel; keines besser oder schlechter. Ich seufzte tief. Wenn ich diese Einsicht nur an meine Kinder weitergeben könnte. Aber spätestens seit mein Jüngster angefangen hat, Trompete zu spielen und Leah, meine ältere Tochter bei „Jugend musiziert“ gewonnen hat, ist der Streit vorprogrammiert.
Dabei müssten sie einfach nur verstehen, dass Notenlesen nicht alles in der Musik ist! Aber wie sollten sie das auch begreifen, wenn jeder nur einzeln für sich übt?! Wehmütig hörte ich auch noch die letzten zwei Stücke der Bläserklasse an. Diese Kinder hatten es gut; sie spielen alle zusammen in einem Orchester und erfahren dadurch, dass Musik ein Gemeinschaftserlebnis ist.
Gemeinschaftserlebnis, irgendetwas störte mich an diesem simplen Wort.
Eine Gemeinschaft, wie dieses Orchester.
Gemeinschaft kann aber doch auch aus nur drei Leuten bestehen, oder?
Und da war sie! Die Idee nach der ich unbewusst schon die ganze Zeit gesucht hatte!
Ich würde einfach meine eigene kleine Gemeinschaft bilden! Wenn dieser Lehrer das mit 30 Schülern schaffte, konnte ich das mit meinen Kindern auch, wäre doch gelacht.
Ganz beflügelt von meiner Idee des kleinen Familien – Orchesters ging ich fröhlich pfeifend meine Einkäufe erledigen, bevor ich zu einem Musikladen in der Nähe fuhr, um Noten für kleine Ensembles zu kaufen.

„Würmgestalt“ von Tamina Dietl Q11 16 Jahre

Tamina Dietl „Würm in Gestalt“
nach Rudolph, Ernst: „Die Geschichte eines  Stadtteils“.

Die grün schimmernde Ader von Menzing / Der grün schimmernde Zuhörer von
Menzing.
Quer durch Untermenzing und ihre Schwester-Stadtteile Pasing, Obermenzing
und Allach fließt die Würm, die im Starnberger See entspringt und in die Amper
und die Isar mündet. Der Fluss schimmert grünlich, ist trotz Zähmung ziemlich
wild und ungestüm und bietet an heißen Sommertagen eine willkommene
Erfrischung. Man kann sich entweder im kühlen Wasser gerade ausstrecken und
von der Strömung meterweit davontragen lassen oder während man am Ufer sitzt
nur die Füße von den Wellen streicheln lassen. Verwunschene Brücken wie die
eingewachsene Brücke hinter St. Martin bieten einen romantischen Blick auf den
Fluss, in den die angrenzenden Bäume ihre Äste schleifen lassen. Eichhörnchen
und Vögel hüpfen in den Zweigen umher und bereichern die Eindrücke mit
fröhlichen Melodien und Pfeiftönen. Bei vertrauten Gesprächen unter vier Augen
ist sie ein leise flüsternder Zuhörer, der die Geschichten und Geheimnisse weiter
flussabwärts transportiert, aber dennoch immer für sich behält. Somit ist die
Würm ein stiller Zeitzeuge, der schon die Erlebnisse der ersten Siedler von Allach
und Untermenzing mitbekam und diese zudem mit Wasser versorgte. Diese
nutzten den nassen Schatz des Flusses vielseitig, zum Beispiel zum Tränken ihrer Tiere. Aber der größte Vorteil des Flusses war sein Reichtum an Fischen, die jahrhundertelang die Lebensgrundlage der Siedler darstellten. Doch als im 18.
Jahrhundert der Nymphenburg-Biedersteiner Kanal erbaut wurde, sank die Anzahl der Fische enorm, da der Würm ein großer Teil des Wassers entzogen wurde. Seit einigen Jahren vergrößert sich die Vielfalt an Fischen jedoch wieder. Doch nicht nur schuppigen Gesellen bietet die Würm ein Zuhause. Auch Gäste mit Federn, buschigen Schwänzen oder einem dicken Fell sind willkommen. Die meisten Bewohner der Würm sind oft und gerne gesehen, doch andere wie der Biber sind nahezu unsichtbar und hinterlassen nur vielsagende Spuren an den Bäumen. Zum Schutz wertvoller Bäume wurden deshalb Drahthosen an einigen Pflanzen angebracht, um zu verhindern, dass diese abgenagt werden. Doch kaum ein Spaziergänger hat jemals einen Blick auf die lustigen Tiere erhascht, geschweige denn sie faul in der Sonne liegen gesehen oder beim Spielen im Wasser beobachtet. Aber wer weiß, vielleicht entdeckst du mal einen Biber während einem Spaziergang!